No Mercedes in Frankreich
Wer für ein Auto unnötig viel Geld ausgeben möchte, kann und soll dies tun. Wenn er aber auch keinen Gegenwert für den Mehrpreis haben möchte, sollte er dies bei Mercedes in Frankreich machen. Wieso? Nun, ein Vergleich aus eigener Erfahrung soll dies belegen.
Obwohl ich kein Freund oder gar Anhänger irgendeiner Marke bin, wurde es aufgrund eines sehr guten Angebots dann doch ein Mercedes. Ich sollte es aber bereuen. Denn leider litt dieser unter permanenten Problemen in der Elektronik. Der Klassiker: Irgendein rotes Lämpchen zeigt die Anwesenheit von gravierenden Fehlern im Speicher des CAN-Bus und führt zur Leistungsminderung, genannt „Notlauf“, der einen in die Werkstatt zwingt. Schon das allein verlangt meiner Meinung nach eine Gesetzesänderung. Denn schon bald wird sich dieses Verhalten nutzen lassen, die Kunden zwingend in die Werkstatt zu führen, wenn ein „Wartungsintervall“ fällig ist. Gleich, ob etwas defekt ist, oder nicht.
Einmal wurde mein Auto von Mercedes Deutschland zurückgerufen. Es gäbe ein Problem bei den Wischarmen. Es bestünde die Gefahr, dass diese abbrechen. Also in die Werkstatt zur Prüfung der Seriennummer des Gussteils. In Deutschland erwartete mich eine Werkstatt, wo mancher Freizeitpark neidisch werden könnte: Kaffee und Kuchen, soviel man mag, eine große Spielecke für die Kleinen, Zeitungen in gemütlicher Sitzecke, aber auch ein Leihwagen wäre bei längerem Aufenthalt kein Problem. Luxus, den aber ein Käufer eines überteuerten Wagens erwarten kann, wenn schon die Qualität des Fahrzeugs nur mittelmäßig ist.
Der Clou: Wenige Wochen, nachdem die Werkstatt bestätigt hatte, dass mein Wischarm nicht betroffen sei, brach eben dieser mit lautem Knall ab. Da war ich aber wieder in Frankreich. Ein Anruf bei Mercedes in Deutschland brachte Klarheit: Mein Wischarm sei definitiv nicht einer der defekten aus der Rückrufaktion. Soviel stehe fest. Es sein dies ein völlig normaler Vorgang, der alltäglich passiere. Die Wischarme brechen immer ab, klärte mich ahnungslosen der Mercedeskenner auf. Aha? Hatte ich noch nie. Jedenfalls noch nie bei einem Auto anderer Marken. Dann hätte ich halt einfach keine Ahnung, gab man mir zu verstehen.
In Frankreich wusste man natürlich nichts von einem Rückruf wegen defekter Wischarme.
Dann war es die Zentralverriegelung. Knopf drücken: Türen zu, Türen wieder auf. Knopf erneut drücken: Türen zu, Türen auf, Türen wieder zu. Gut. Ein „Notbetrieb“, wie ich später erfuhr. Also in die Werkstatt in Frankreich. Hauptniederlassung von Mercedes im Norden von Paris. Hat äußerlich eine große Ähnlichkeit mit einem Konzentrationslager der Nazis. Jedenfalls, was die Sicherung des Geländes betrifft. Stacheldraht, übermannshoch, Elektrozaun und eine Schleuse mit doppelten Schranken und viel „Sicherheitspersonal“. Bis heute habe ich nicht verstanden, ob dies gemacht wurde, um Einbrecher draußen zu halten oder nicht zahlungswillig Kunden drinnen. Wirkt schon alles sehr seriös.
Drinnen war es weniger geräumig. Eine Sitzecke mit drei bis vier Holzstühlen, ein Billigkaffeeautomat, der Kaffee 0,30 €. Unfreundliches Personal brauche ich nicht extra zu erwähnen, dass wurde mit dem Begriff Frankreich schon erledigt.
Reparaturen gibt es nicht in Frankreich. Zumindest nicht ohne „Devis“ – also einem Angebot. Dieses kostete schlappe 260,- € und bestätigte mir, dass der Zentralcomputer ausgefallen sei und noch viele andere Dinge, die zu ersetzen wären. Gesamtpreis: 650,- € (inklusive der 260 aus dem Angebot).
Knopfdruck, Türen zu, Türen auf, zweiter Knopfdruck, Türen zu, Türen auf, Türen zu geht auch.
Wieder in Deutschland, der gleiche Wagen, das gleiche Problem. Einige Kaffees und eine halbe Zeitung später war das Problem eingegrenzt: Ein Türkontakt. 2,60 € plus Einbau. Die gesamte Reparatur inklusive Auslesen des Fehlerspeichers und Reparatur kostete 220,- €. Immer noch genug.
Die Reklamation, dass die französischen Mitarbeiter von Mercedes wohl offensichtlich für 260,- € nur Mist analysiert haben, wurde dort mit der Begründung zurückgewiesen, dass diese Rechnung für Arbeiten sei, die schließlich ausgeführt worden wären. Es wäre nicht relevant, ob die Ergebnisse der Analyse stimmten oder nicht. Im Weiteren möchte ich ihn doch bitte in Ruhe lassen und den Rechtsweg beschreiten.
Und auch meine Reklamation bei Mercedes Europa blieb erfolglos, denn es seien schließlich alles Vertragswerkstätten, deren Handlungen allein in der eigenen Verantwortung stünden.
Fazit: N’acheter jamais une Mercedes en France !
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